Barfuss-Schule in Sambia

Liebe Freunde, Partner und Förderer! 

Vor über 21 Jahren haben Frau und Herr Dällenbach die Barfußschule in einem alten, unbenutzten Hühnerstall eingerichtet, um den benachteiligten Kindern in der Umgebung eine Schulausbildung zu ermöglichen. Seitdem hat die Schule sich weiter entwickelt und vielen Kindern geholfen, in weiterführende Schulen überzuwechseln. Dank des  unermüdlichen Einsatzes unserer Schweizer Freunde konnten wir in diesem Jahr für unseren Tiefbrunnen eine Solarpumpe installieren. Das hilft, die Wasserversorgung sicher zu stellen wenn, wie so oft, der Strom ausfällt.

 Auch der Förderverein Windeck, Deutschland, hat uns unter anderem mit Laptops und diversen Schulmaterialien bereichert.

Modernes, gutes Schulmaterial ist natürlich sehr wichtig für den Lernprozess unserer Kinder. Aber am wertvollsten ist doch, was sie aus der Barfußschule mit ins Leben nehmen.

Über einen ganz besonders schönen Erfolg unserer  Schule möchte ich heute berichten.

 




Sr Rosemarie Keisler traf unseren neuen Lehrer, Herrn Sunday Chipili, und unterhielt sich  mit ihm:

 

Herr Chipili, erzählen sie mir ein wenig über ihre Familie.

Ich bin das jüngste von zehn Kindern, geboren 1993 in Mansa, im Norden Sambias, wo ich dann auch zur Schule ging. Mein Vater war ein einfacher Bauer und nicht sehr bemittelt, deshalb konnte ich nach der 4. Klasse nicht weiter in die Schule gehen. Im Jahre 2001 holte mich meine behinderte Schwester, die hier im Kangonga Zentrum für behinderte Menschen verheiratet ist mit einem ebenfalls behinderten Mann, zu sich, und so hatte ich das Glück, in die Barfußschule eintreten zu können.

 Erinnern sie sich an ihre Lehrer?

Oh ja! Da war zunächst Frau Dällenbach. Durch sie bin ich das geworden, was ich heute bin. Ich kann gar nicht beschreiben, wie dankbar ich bin. Da waren auch die Lehrer Herr Kazeze, Herr Mkandawire und andere. Sie haben uns immer wieder ermutigt, unser Bestes zu geben. Wir lernten nicht nur Englisch, Mathematik, Geographie, Landwirtschaftskunde und Religion, sondern wir lernten auch schreinern. Wir fertigten einfache Tische und Stühle an und reparierten Türen. Heute bin ich stolz auf meine Fertigkeit und mache Gebrauch von diesem Gelernten, um ein wenig Geld zu verdienen.

 Hatten sie auch damals schon einen Garten in der Schule?

Ja, der Garten war ganz wichtig, denn er ermöglichte uns, jeden Tag ein Mittagessen zu erhalten. Wir pflanzten Mais und Soja, Bohnen und Erdnüsse, und auch Gemüse, und erlernten so nebenbei auch das Gärtnern.

 Und wie ging es weiter mit ihrer Schullaufbahn? 

Das Fatima Gymnasium, eine Internatsschule, hatte damals eine 8. und 9. Tagesklasse für Kinder aus der Umgebung, und weil ich das Endexamen der Barfußschule gut bestand, kam ich in die 8. Klasse in Fatima. Nach der 9. holte mich mein Bruder nach Kitwe, wo ich bis zur 12. Klasse in die Chamboli Schule ging. In den Ferien kam ich jeweils zurück nach Fatima, wo Frau Dällenbach uns Arbeit gab, so dass wir das Nötigste für unsern Unterhalt und für die Schule verdienen konnten. Als mein Bruder dann eine Arbeit fand, unterstützte er mich in den Jahren nach der Schule, weil ich zum Kitwe College of Education ging. Am Ende wurde mein Traum wahr: Ich bekam ein Diplom als Grundschullehrer. Und nun bin ich hier!

 Sie sprechen von einem ‚Traum‘.

Ja, mein Vater war im Herzen wohl auch ein Lehrer. Er brachte uns Kindern Mathematik bei und das Lesen unserer Bembasprache. Er fertigte auch eine kleine Tafel für mich an, und die benutzte ich dann, um andere Kinder zu unterrichten. Das machte mir richtig Spaß. Und jetzt bin ich selber ein ausgebildeter Lehrer.

 Was ist das Beste, das die Barfußschule und ihre Lehrer ihnen vermittelt konnten?

Da brauche ich nicht lange zu überlegen! Frau Dällenbach und die Lehrer glaubten an uns. Sie sagten: Wenn ihr auch aus armen Familien kommt, so braucht ihr doch nicht arm im Kopf zu sein. Ihr müsst eure Talente entdecken und sie entwickeln. Zu der Zeit gab es sogar Belohnungen für die, die die besten Ergebnisse hatten in ihren Arbeiten, und das ermutigte uns. Einer der Lehrer zeigte uns das Geld, das er verdiente und sagte: Ich gebe euch kein Geld, aber ich unterrichte euch, so dass auch ihr eines Tages Geld verdienen könnt. 

 Und wie sehen sie nun ihre Aufgabe in der Barfußschule?

Es ist mir sehr wichtig, dass ich das, was ich hier empfangen habe, in gleicher Weise zurückgebe, an die Schule und an diese Schüler und Schülerinnen hier. Ich möchte die Kinder motivieren und ihnen helfen, so wie mir geholfen worden ist. Einen kleinen Erfolg habe ich schon erzielt. Als ich meine Klasse übernahm, konnten nur 2 der 48 Schüler lesen. Inzwischen können fast alle Kinder lesen.

 Was würden sie am Schluss gern sagen zu Lehrern und Kindern dieser Schule:

Zu den Lehrern möchte ich sagen:  Wir dürfen diese Kinder nicht unterschätzen, sondern müssen Großes in ihnen fördern. Sie können Polizisten, Krankenschwestern, sogar Minister, ….. werden!

Zu den Schülern sage ich:  Lasst euch nicht beeinflussen von denen, die in die Bierhallen gehen, stehlen, oder sich unsittlich benehmen. Lernt fleißig! Macht Gebrauch von der Ausbildung, die euch hier geboten wird. Ihr könnt, mit Gottes Hilfe, Großes aus euch machen.  

 Herr Chipili, danke für dieses Interview. Es hat mich sehr bereichert, und wird die freuen, die diese Schule ins Leben gerufen haben und weiterhin fördern.

Ja, ich bedanke mich auch und sage, Ohne die Barfußschule, wäre ich ganz sicher nicht das, was ich heute bin.

 

Das ist Mr Chipili mit einigen seiner Schüler/innen. Stellvertretend für alle in der Barfußschule sagen sie allen unseren Freunden und Helfern ein herzliches Danke,

                   Twatotela sana,

und wünschen Ihnen und allen Ihren Lieben Gottes Schutz und Segen.

 

Mit den besten Wünschen und dankbaren Grüßen,

 

                                   Sr. Gabrielle OP.